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Social Media Sprechstunde

Claire Oberwinter Social Media Sprechstunde Köln

Auf Facebook geisterte ein Wort herum, das interessant klang, unter dem ich mir aber nicht so recht etwas vorstellen konnte: die „Social Media Sprechstunde“ (oder kurz: SMS). Eine Sprechstunde zu Social Media? Gute Sache, aber was genau ist das denn nun?

Ich suchte also ein wenig herum und fand heraus, dass es dieses Konzept unter dem Namen „Social Media Surgery“ von Birmingham ausgehend an mehreren Orten bereits seit 2008 gibt, in Deutschland bisher in Hamburg, Berlin und Köln. Die Idee der SMS ist sehr interessant: Social Media Experten (im weitesten Sinne) beraten ehrenamtlich Neulinge, vor allem aus dem Bereich NGO, bei ihren ersten Schritten in den sozialen Netzwerken.

Es packte mich, darüber musste ich mehr erfahren und fand in Claire Oberwinter, Social Media Beraterin und eine der Beraterinnen bei der Social Media Sprechstunde Köln, eine Interviewpartnerin, die mir Rede und Antwort stand. Mein Interview mit Claire soll vor allem die Fragen derjenigen beantworten, die in ihrer Stadt selbst eine SMS aufbauen wollen.

Claire Oberwinter Social Media Sprechstunde Köln

Liebe Claire, vielen Dank erst einmal, dass du dir Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten.
Du bist Teil des Teams der SMS Köln, wie kamst du dazu? Wie viele Leute engagieren sich bei euch und machen die Social Media Sprechstunde? Was reizt dich an der Aufgabe?

Bei der Social Media Sprechstunde Köln sind mein Kollege Mario Sorgalla und ich zu zweit. In den anderen Städten (Hamburg, Berlin) sind es meist mehr Leute. Dazu aber später mehr.

Ich selber habe das erste Mal im ersten Semester meines Masterstudiums an der Birmingham City University von den „Social Media Surgeries“ gehört und fand die Idee super. Ich hatte überlegt, wie ich das in Köln auch machen könnte, habe das Thema aber erst einmal wieder vertagt. Letztes Jahr habe ich dann per Zufall über einen lokalen Newsletter von der Social Media Sprechstunde Köln erfahren (dort war der Termin eingetragen) und Mario sofort angeschrieben, ob ich mitmachen könne. Er war sofort angetan davon und seitdem (also seit etwa August 2013) bin ich fester Bestandteil der Sprechstunde in Köln.

Mich hat gereizt, mein Wissen über Social Media mit denen zu teilen, die weniger Ahnung davon haben, aber einen Zugang zu Social Media suchen. Ganz uneigennützig war ich dabei aber natürlich nicht: auch der Gedanke, mir damit einen Namen zu machen, spielte natürlich dabei mit.

Natürlich ist es auch toll zu sehen, was man mit seinen Tipps bewirken kann. Für mich sind viele Sachen in Social Media einfach selbstverständlich, für die meisten Teilnehmer aber offensichtlich nicht. Wenn man sowohl am Ende der Sprechstunde als auch nachher noch zu hören bekommt „Das waren super tolle Tipps“ und auch sieht, wie die teilweise grandios umgesetzt werden, ist das ein großer Boost fürs Ego und macht sehr stolz ;)

Wie habt ihr mit der Social Media Sprechstunde angefangen?

Mario hat über eine/n Bekannte/n von der Sprechstunde in Hamburg erfahren und sich daraufhin entschieden, das auch in Köln anzubieten. Ich bin wie gesagt erst ein paar Monate später dazu gekommen.

Wo macht ihr die Sprechstunde? Wie habt ihr die Räume gefunden bzw. seid an die Räume gelangt, vor allem am Anfang, als euch noch keiner kannte?

Die Sprechstunde findet fast immer in Mario’s Gemeinschaftsbüro statt. Nach 18 Uhr sind kaum noch Kollegen da (man stört also niemanden und wird auch nicht gestört), außerdem ist der Raum insgesamt recht groß und es gibt W-Lan.

Ein Mal haben wir die Sprechstunde im „Startplatz“, einem Co-Working-Space und StartUp-Zentrum in Köln durchgeführt, die uns dort einen Konferenzraum zur Verfügung gestellt haben.

Die Sprechstunde in Hamburg findet im Kultwerk West statt, einer Art Kulturzentrum. Der Gründer der dortigen Sprechstunde arbeitet dort. Die Berliner Hauptorganisatorin ist die Geschäftsführerin einer Stiftung, so dass die Sprechstunden in den Räumlichkeiten der Stiftung stattfinden.

Wenn man also ein geeignetes Büro hat, kann man die Sprechstunde auf jeden Fall dort stattfinden lassen. Alternativen, die mir sonst einfallen, sind Seminarräume von Instituten (sofern kostenlos zu buchen), aber auch geeignete Gastronomie-Betriebe. Wichtig sind dabei ein Internet-Zugang und weitgehende Ruhe, damit man nicht ständig gestört und abgelenkt wird.

Macht ihr Werbung oder so was? Wie macht ihr die Social Media Sprechstunde bekannt? Wo findet ihr eure „Kunden“? Und vor allem: Wie lief das Ganze ganz am Anfang, ehe ihr schon bekannter wart?

Zu Beginn hat Mario die Sprechstunde für seine Kollegen in der Bürogemeinschaft angeboten, die wiederum ihren Freunden davon erzählt haben. Nachdem sich aber der Fokus von eher Privatpersonen mehr auf NGOs verlagert hat, haben wir angefangen, Teilnehmer auf anderen Wegen zu finden. Große Erfolge haben uns bisher verschiedene Mailinglisten (sowohl lokale als auch nationale) beschert, in denen NGOs eingetragen sind. Außerdem kooperieren wir (wie die Hamburger) mit der Organisation betterplace.org auf lokaler Ebene. Auf betterplace.org können kleine Organisationen und Projekte Spenden in Form von Geld oder auch Zeit (also ehrenamtliche Mitarbeiter) sammeln. Die Mitglieder der Betterplace-Gruppe Köln weisen in ihren Veranstaltungen auf uns hin, wenn jemand Bedarf daran hat, sein Projekt in Social Media zu bewerben und bekannter zu machen.

Wenn die Teilnehmer unsere Sprechstunde verlassen, bitten wir sie natürlich immer, unsere Facebook-Seite zu liken und andere, die sie kennen, auf unser Angebot aufmerksam zu machen. Inzwischen läuft das alles zusammen ganz gut, so dass wir meist keine Probleme haben, unsere Sprechstunden voll zu kriegen.

Wenig bzw. gar nichts haben bisher lokale Veranstaltungskalender z.B. bei meinestadt.de gebracht. Die Mailinglisten kann ich aber uneingeschränkt empfehlen!

Ihr habt die Zielgruppe inzwischen eingeschränkt, wenn ich das richtig gelesen habe in deinem Blog. Warum genau?

Zu Beginn war der Fokus eher auf Privatpersonen und Freiberuflern. Der Fokus hat sich verschoben, weil der Bedarf bei dieser Zielgruppe offenbar nicht sehr groß ist, man diese Zielgruppe sehr schlecht erreicht und wir es außerdem wesentlich spannender fanden, gemeinnützigen Projekten und Organisationen unter die Arme zu greifen. So tut man selber etwas für den guten Zweck, was sowohl Mario als auch mir irgendwie eine Herzensangelegenheit ist.

Wie oft findet die Social Media Sprechstunde in Köln statt? (Einmal im Monat, nehme ich an?)

Ja, im Prinzip schon. Die Resonanz auf die letzte Mail in einem nationalen Mailverteiler war allerdings so groß, dass wir nun 3 Sprechstunden innerhalb von 6 Wochen stattfinden lassen. Eigentlich ist sie aber für alle 4-6 Wochen angesetzt.

Bei den Hamburgern ist die Sprechstunde immer fest ein Mal am letzten Mittwoch des Monats, bei den Berlinern eher alle 2 Monate. Es ist eine Frage des Bedarfs und natürlich auch der Zeit.

Wie viel „Nachfrage“ besteht da so?

Bei den NGOs ist die Nachfrage offenbar sehr groß, da sie ja meist kein zusätzliches Budget für Social Media haben, aber dennoch aktiv sein wollen. Wir konnten inzwischen mehr als einem Dutzend NGOs und Projekten wertvolle Tipps geben.

Vielleicht kannst du uns kurz den Ablauf einer Social Media Sprechstunde bei euch beschreiben? Macht ihr eine kurze Vorstellungsrunde? Findet da eine 1:1-Beratung statt? Schauen alle allen über die Schultern? Wie muss ich mir das vorstellen?

Also wir Kölner machen die Sprechstunde ein wenig anders als die Hamburger und Berliner. Die machen jeweils eine 1:1-Beratung. Mario und ich gehen aber nach dem Prinzip vor: Jeder kann von jedem lernen!

Zu Beginn stellen Mario und ich uns immer vor (was wir beruflich machen, warum die Sprechstunde, wie läuft die Sprechstunde ab) und lassen die Teilnehmer sich dann vorstellen (Name, Organisation, was macht die Organisation, schon auf Social Media aktiv oder nicht?, was ist das „Problem“, das in der Sprechstunde angegangen werden soll).

Anschließend beginnen wir mit der ersten Organisation und schauen uns zunächst immer die Website an. Auch im Zeitalter von Social Media ist die Website nach wie vor die Visitenkarte eines Unternehmens/einer Organisation, so dass wir da ganzheitlich denken und diese in die Beratung mit einbeziehen. Meist kann man auch schon anhand der Website auf die Arbeitsweise und die „Mentalität“ der Organisation schließen (wie ernst wird das Internet genommen? Wie ist die Struktur der Seite und der Organisation? Wie wird die eigene Botschaft transportiert?). Dann schauen wir weiter auf evtl. vorhandene Social Media-Profile und analysieren die jeweiligen Auftritte und geben Tipps. Natürlich können die Teilnehmer auch jederzeit Fragen stellen. Wenn wir mit einer Organisation durch sind, beschäftigen wir uns mit der nächsten.

Der Vorteil an dieser Vorgehensweise ist: jeder kann von jedem lernen! Bisher konnte jede Organisation von der Beratung einer anderen Organisation etwas mitnehmen und z.T. sogar selber aktiv etwas beitragen. Das macht es für alle interessanter und gibt den Teilnehmern auch nicht so das Gefühl, dass wir ihnen sagen, was sie machen sollen. Das ist mehr so ein „Wir erarbeiten uns das zusammen“. Außerdem überschneiden sich viele Fragen häufig, die man dann nicht mehrfach erklären muss.

Der Nachteil ist: damit das zeitlich nicht so unglaublich ausufert, kann man max. 3 Organisationen beraten. Wenn man eine 1:1-Beratung macht, braucht man einfach nur mehr Berater. Mario und ich finden unseren Weg aber gut, so dass wir weiterhin daran festhalten.

Was bietet ihr an Leistungen im Rahmen der Social Media Sprechstunde an, was geht über die SMS hinaus? Und wie geht ihr vor, wenn jemand mit Fragen zu euch kommt, die eben über eine ehrenamtliche Beratung im Rahmen der SMS hinausgehen? Wie grenzt ihr ab zwischen dem, was ihr als Social Media Manager an kommerzieller Beratung anbietet und dieser ehrenamtlichen Beratung?

Was die Inhalte angeht, habe ich ja schon in der vorigen Frage einiges dazu gesagt. Wir schauen uns die Website und Social Media Auftritte an und geben Tipps zur Verbesserung, welche Kanäle sinnvoll sind, wie Inhalte aufbereitet und verbreitet werden können und welche strategischen Elemente sie bei Social Media beachten sollen (also z.B. einen Redaktionsplan aufstellen).

Bisher hatten wir nicht das „Problem“, dass jemand mit einem Anliegen zu uns kam, das über die ehrenamtliche Beratung hinausgeht. Wir bieten allen Teilnehmern an, sich bei weiteren Fragen erneut an uns zu wenden (auch kostenlos), was bisher aber noch nicht vorkam.

Wir haben die Abgrenzung dadurch geschaffen, dass wir sagen: wir beraten ausschließlich gemeinnützige Organisationen und Projekte. Diese haben meist nicht viel Geld, so dass sie sich einen freiberuflichen oder festangestellten Social Media Manager nicht leisten können. Meist reicht diesen Organisationen auch einfach nur der „Schubs in die richtige Richtung“, wie wir festgestellt haben. Sollte nun ein Unternehmen o.ä. auf uns zukommen und uns bitten, eine kostenlose Beratung für sie zu machen, würden wir das ablehnen bzw. darauf verweisen, dass wir das gerne gegen Bezahlung machen werden. Bisher hatten wir jedoch noch keine Anfrage dieser Art.

Ich sehe die Sprechstunde auch für mich hauptsächlich als Möglichkeit, einerseits etwas Gutes zu tun, mir aber andererseits einen Namen zu machen. So haben doch alle Seiten was davon :)

Liebe Claire, ich danke dir noch einmal recht herzlich für die ausführliche Beantwortung meiner vielen Fragen. Ich finde das Konzept der SMS so spannend und interessant, dass ich hoffe, dass es demnächst auch eine „Social Media Sprechstunde Heilbronn“ geben wird – und ich hoffe natürlich, dass sich durch das Interview noch viele weitere Social Media Sprechstunden in vielen weiteren Städten etablieren.

 

Primark

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Aachen nicht zu vergessen. Die erste Sprechstunde ist am 7. Mai 2014 – übrigens auch nach Inspiration von Claire und Mario

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    • Vielen Dank für die Ergänzung! Und Claire scheint ja Impulsgeberin ohne Ende zu sein – cool!

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